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Wie so häufig in menschlichen Beziehungen, so gilt auch zwischen Pfleger/in und Pflegebedürftigen Vertrauen als wichtiger Faktor für die richtige Pflege. Sowohl in der ambulanten als auch stationären Pflege gilt dies gleichermaßen. Die große Herausforderung dabei: Vertrauen kostet Zeit. Eine Zeit des Kennenlernens und eine Zeit des Verstehenlernens. In vielen stationären Einrichtungen fehlt jedoch dem Pflegepersonal genau diese Zeit. Zu viele Patienten. Ein fester Arbeitsplan. Und die Vorgaben der Zeitoptimierung auf Effizient und Effektivität.

Man liest von Skandalen in Pflegeheimen, hört von den Missständen – und verliert immer mehr Vertrauen in Pflegekraft und Pflegeeinrichtung. So zuletzt auch in einem Beitrag von Stern TV geschildert.

Nebst Sympathie und Vertrauen spielen bei der Auswahl von geeignetem Pflegepersonal auch fachliche Qualifikationen und vor allem Erfahrung im Pflegeberuf eine entscheidende Rolle. Um die richtige von der falschen Pflegekraft zu unterscheiden, gilt es also zwischenmenschliche und fachliche Komponenten in der Gesamtheit zu betrachten. Der Pflegebedürftige oder die Pflegebedürftige müssen sich in guten Händen wissen, als Mensch wahrgenommen werden, gut betreut sein und sich verstanden fühlen.

Die richtige Pflegekraft: Sympathieskala vor Schulnotensystem

Hinsichtlich der Ausbildungsqualität gibt es innerhalb der Pflegeberufe nur wenig Unterschiede. Häufig bestehen diese in möglichen Weiterbildungsmaßnahmen oder der Anzahl/ Dauer beruflicher Stationen. Und auch hier entscheidet häufig das menschliche Bauchgefühl vor Schulnoten, Arbeitszeugnissen und einer bestimmten Qualifikationen aus Weiterbildungen.
Die eigentliche Pflegebedürftigkeit ruft bereits in der Vorstellung der pflegebedürftigen Person und auch bei Angehörigen Ängste hervor. Nebst veränderter Lebenssituation folgt der Schritt in die Abhängigkeit. Der Pflegebedürftige ist auf Hilfe anderer angewiesen – und muss häufig in kurzer Zeit lernen, sich in die „pflegenden Hände“ einer zunächst fremden Person zu begeben. Hinzukommt die Angst vor Krankheit, Verlust der Selbstständigkeit und Mobilität. Wichtig ist, diese Sorgen nicht zu verdrängen, sondern sich gemeinsam mit Pflegepersonal dieser Herausforderung zu stellen. Offenheit und Ehrlichkeit sind der erste Schritt, fundiertes Vertrauen für den weiteren gemeinsamen – oftmals auch sehr intimen – Weg aufzubauen.

Wesentliche Voraussetzung ist, dass beide Parteien sich in der Pflegesituation wohlfühlen. Eine konstruktive Beziehung schafft dabei die zwischenmenschliche Ebene für optimale Rahmenbedingungen zum Erreichen der Pflegeziele. Beide müssen sich bewusst sein, dass Ängste nicht nur einseitig existieren. Denn oftmals sind es auch die Pfleger/innen, die von Verlustangst begleitet werden, insofern sie sich zu sehr auf einen Pflegebedürftigen/ eine Pflegebedürftige einlassen.


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