Herausforderung Pflege - Chancen und Risiken eines Berufsbildes

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Ein paar Zahlen zum Bericht vorab: Aktuell beziehen 2,42 Millionen Menschen in Deutschland Leistungen aus der Pflegeversicherung – davon 142.000 aus der privaten Versicherung. Laut Hochrechnungen und Prognosen steigt die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland bis zum Jahr 2030 auf 3,4 Millionen Menschen. Man könnte meinen, diese Zahlen machen die Altenpflege zu einer Branche mit Zukunft. Doch im gleichen Zuge warnen Demografen vor einem Mangel an genau den Fachkräften, die in Pflegeberufen zukünftig zu besetzen sind.

Rund 970.000 Beschäftigte sind es derzeit – der bpa prognostiziert für 2050 sogar einen Bedarf an 1,7 bis 2,2 Millionen Teil- und Vollzeitkräften. Und immer noch scheint die Pflegebranche gleichzeitig eine Frauendomäne zu sein. Die unmittelbare Folge sind niedrigere Löhne, als sie in männerdominierenden Berufen üblich sind.

Ein weiterer Fakt, der Angebot und Nachfrage an Pflegepersonal ins Ungleichgewicht bringt: Auf nur jede dritte Stelle fällt ein examinierter Bewerber.

Nebst Lohndiskussionen und branchenüblichen Vorurteilen hat die Entscheidung für den Pflegeberuf jedoch durchaus Vorteile gegenüber anderen Ausbildungen und Berufsbildern. Gerade in Hinblick auf den großen Anteil an Frauen, stehen insbesondere Chancen und Möglichkeiten der Wiedereingliederung in den Beruf nach einer Auszeit sehr hoch. Pfleger und Pflegerinnen sollten also weniger mit der Angst des Arbeitsplatzverlustes oder der Langzeitarbeitslosigkeit konfrontiert sein.

Der Pflegegeberuf als Pflegeberufung?

Innerhalb des Forschungsprojektes des dt. KH-Instituts gaben examinierte Pflegekräfte drei wesentliche Gründe für Ihre Berufswahl an. „Die Freude an der Pflegearbeit“, „anderen Menschen helfen“ und „die Zusammenarbeit mit Patienten“ bilden die ausschlaggebenden Berufsinhalte. Und gleichzeitig folgt die Schattenseite: Denn speziell Pflegekräfte aus der ambulanten oder stationären Pflege sind gegenüber psychosomatischen oder psychischen Erkrankungen stark gefährdet.

Nebst fachlicher Eignung spielt in der Pflege ebenso gleichwertig die persönliche Eignung für den Pflegeberuf mit ein. Und – was bei alldem nicht außer Acht gelassen werden darf: Der Pflegebedürftige als Leistungsempfänger, mit all seinen Bedürfnissen und Wünschen an eine gute Betreuung und zuverlässige Pflege im Alter. Denn letztendlich stellen Wohlempfinden, Mobilität und Gesundheit wichtige Messgrößen für die Qualität der geleisteten Pflege dar. Und so wächst mit dem Anspruch an eine gute Pflege auch gleichzeitig der Anspruch an Zeit, Qualifikation sowie Leidenschaft und Kraft von Pfleger und Pflegerinnen in Ausbildung und Beruf.

Die Wahl des Pflegeberufes ist also gestern wie heute ein hochsensibles Thema, dass Zukunft von Pflegebedürftigen und Pflegeleistenden gleichzeitig bestimmt. Was glücklich macht, welcher Job sicher ist und wie die Aufstiegschancen innerhalb der Pflege aussehen, greift eine aktuelle Kampagne des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration auf.


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