Gewalt in der Pflege: Tabu?

20.09.2013 pflegefreunde 0 Kommentare

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Gewalt in der Altenpflege ist ein Tabu-Thema. Nicht immer geht es dabei um die reine körperliche Gewalt. Auch Beschimpfungen, Vernachlässigung oder die unerlaubte Verabreichung von Medikamenten sind zu einem großen Problem herangewachsen.

Statistiken und fundierte Zahlen über die Gewalt in der häuslichen und stationären Altenpflege gibt es nicht. Punktuell geraten immer wieder Schlagzeilen mit Einzelfällen an die Oberfläche. Die Dunkelziffer jedoch liegt deutlich höher.

Doch wo liegen die Ursachen für die Gewalt in der Pflege? Und welche Möglichkeiten gibt es, dieser Problematik entgegenzuwirken?
Häufig sind es Konflikte, die durch Überforderungen in der Pflegesituation entstehen und durch unzureichende Professionalität nicht gewaltfrei bewältigt werden können.

Weder theoretisch noch praktisch erhalten Pflegekräfte in ihrer Ausbildung eine Vorgehensweise an die Hand, wie sie mit möglichen Problemen umgehen sollen. Hinzu kommt, dass natürlich auch ältere Menschen durch den Umzug in ein Seniorenheim oder die plötzliche Pflegesituation ihre Verhaltensweisen ändern und sich möglicherweise gegen die „neue Abhängig“ sträuben. Sich selbst nicht mehr waschen können oder Hilfe beim Toilettengang benötigen: Viele Pflegebedürftige müssen sich erst in diese neue Situation einfinden, auch bei alltäglichen Selbstverständlichkeiten Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

In solchen Situationen ist es nicht nur wichtig angemessen zu reagieren, sondern gleichweg als Pflegender auch eine Anlaufstelle bei Problemen mit Patienten/ Heimbewohnern zu kennen. Häufig jedoch sind die Pflegekräfte mit ihren Sorgen, Problemen und möglichen Ängsten allein – was das Gewaltpotential verstärken kann. Zusätzliche private Probleme oder Stress fördern Gewaltpotential noch.

In den wenigsten Fällen erkennen Vorgesetzte oder die Heimleitung die Notwendigkeit zu handeln. Dabei ist gerade dies wichtig: Gewaltprävention muss auf die Ursachen zurückführen und bereits in der Ausbildung die Pflegekräfte in die Lage versetzen, auch mit schwierigem Patienten- oder Bewohnerverhalten umgehen zu können.  Beziehungspflege ist das Stichwort.

Überforderte Pflegekräfte oder pflegende Angehörige sollten sich in Situationen der Überforderung an Melde- und Hilfsstellen wenden. Eine gute Anlaufstelle ist unter anderem die Website des BAG SELBSTHILFE e. V. unter www.gewaltinderpflege.de. In Gesprächen mit den betroffenen Personen wird über die  Überforderung oder Hilflosigkeit gesprochen und Lösungsansätze vorgeschlagen. Über das Selbsthilfe-Netzwerk können Pflegende oder auch Pflegebedürftige Kontakt zu Menschen in ähnlichen Situationen oder Vereinen knüpfen.


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