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Pflegebedürftigkeit bezieht sich nicht nur – wie häufig angenommen – auf die ältere Generation. Auch Kinder und jüngere Erwachsene können auf Grund einer physischen, psychischen oder seelischen Erkrankung zum Pflegefall werden.

Nicht selten unterstützen Familienmitglieder die pflegebedürftige Person, insbesondere wenn es sich um Tätigkeiten im Haushalt und der Erledigung von Botengängen und Besorgungen geht. Schnell geraten Familienmitglieder und Freunde jedoch an ihre Grenzen, was den Nahestehenden vor eine schwierige Zerreißprobe stellt. Eine alternative Lösung ist die professionelle und fachliche Hilfe über Pflegedienste, Fachpersonal und/ oder Pflegeheimen.

In welchem Umfang die Pflegeleistungen erfolgen, hängt von der jeweiligen Pflegestufe ab. Im ersten Schritt erstellt die zuständige Pflegekasse ein sogenanntes Pflegegutachten.
Hier spielen vor allem Zeitbedarf für die körperliche Versorgung (Essen, Waschen) und Mobilität eine große Rolle. Ein Pflegetagebuch hilft, den Zeitaufwand von Angehörigen und Pflegepersonal festzuhalten und zu bestimmen. Als pflegebedürftig gilt ein Mensch, wenn die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung einen bestimmten Zeitaufwand erfordert.

Die Einteilung der Pflegebedürftigkeit erfolgt in drei Stufen:

  • Pflegestufe 1 wird auch als erhebliche Pflegebedürftigkeit bezeichnet. Dies ist dann der Fall, wenn pro Tag mindestens 90 Minuten für Hilfe benötigt werden. 46 Minuten davon müssen auf mind. zwei Verrichtungen der Grundpflege entfallen.

Praxisbeispiel:
Die pflegebedürftige Person lebt im eigenen Haushalt und benötigt täglich Unterstützung durch Pflegepersonal bei der Körperpflege und Waschen des Intimbereiches, Aussteigen aus ihrem Bett und Ankleiden. Zweimal in der Woche erhält sie Hilfe beim Baden. Dreimal in der Woche hilft ihre Nachbarin beim Essenkochen, der Wohnungsreinigung und erledigt kleinere Einkäufe.

  • Pflegestufe 2 erfordert einen täglichen Pflegebedarf von 180 Minuten, wovon mindestens 120 Minuten auf die Grundpflege entfallen.

Praxisbeispiel:
Eine ältere Dame lebt mit ihrem Mann gemeinsam in einem Haushalt. Sie ist auf Anleitung beim Waschen von Gesicht, Händen und Intimbereich angewiesen. Der Ehemann muss teilweise das Waschen des restlichen Körpers übernehmen und sich um die Zahnpflege, Kämmen und Anziehen kümmern. Am Morgen übernimmt dies jeweils ein Pflegedienst. Das Essen ist der Dame nur in mundgerecht vorbereiteten Portionen möglich, funktioniert dann jedoch ohne Probleme eigenständig. Im Gegensatz dazu ist Trinken nur mit mehrmaliger Aufforderung und Einschenken durch eine hilfestellende Person möglich. Am Abend übernimmt zu Teilen wieder der Ehemann das Entkleiden und die Intimpflege, ebenso wie Duschen und Haare waschen nur mit zeitaufwendiger Hilfe möglich ist. Es ist eine zeitaufwendige Hilfe beim Duschen und Haare waschen nötig. Die hauswirtschaftliche Versorgung findet durch den Mann statt.

  • Pflegestufe 3 steht für die schwerste Pflegebedürftigkeit und einen Zeitanspruch an Pflegebedarf von mindestens 300 Minuten/ Tag sowie die nächtliche Pflege.

Praxisbeispiel:
Ein 2-Generationen Haushalt aus Tochter und Mutter. Die 70-jährige benötigt die Anleitung ihrer Tochter beim Waschen von Gesicht, Händen und Intimbereich. Sie benötigt Anleitung beim Waschen von Gesicht, Händen und Intimbereich. Teilweise und bei Bedarf erfolgt die vollständige Übernahme des übrigen Körperspflege sowie bei Zahnpflege, Kämmen und Bekleiden. Das Essen funktioniert nur selten unter Anleitung – oft muss die Tochter dies übernehmen. Mehrmals am Tag und auch in der Nacht muss die Mutter beim Toilettengang begleitet werden. Anschließend erfolgt die Intimpflege. Jeder Gang in der Wohnung erfolgt in Begleitung, da der Gang am Rollator mühsam und zeitintensiv ist.

Kein Leistungsanspruch besteht bei Pflegestufe 0. Zwar liegt hier eine Hilfsbedürftigkeit vor, jedoch ist diese im zeitlichen Aufwand zu gering.


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