• Fehler 1: „Ich kann sowieso nichts mehr für sie/ ihn tun“

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Oftmals wird mit einer Demenzerkrankung Hoffnungslosigkeit verbunden. Laut Kitwood stammt diese Auffassung aus der Pflegekultur, die Demenz als eine Krankheit ansieht, die das zentrale Nervensystem angreift – und somit die Identität der erkrankten Person zerstört.

Ob Demenzerkrankungen bewältigt werden können, hängt dabei laut Kitwood in zunehmendem Maße von der Qualität der Pflege ab. Wesentliche Aufgabe für Pfleger und Pflegerinnen bestehe darin, für Demenz-erkrankte Menschen eine Umgebung zu schaffen, die Lebenswert und Optimismus fördert – und somit Kraft und Zuversicht zur Bewältigung des Alltages liefert.

Folge: Pflegende Angehörige oder externe Pflegekräfte empfinden ihre Hilfe nur als eine Art Begleitung des Erkrankten. Verbunden mit der Hoffnungslosigkeit erfüllt diese Pflege jedoch nur unzureichend die psychischen Bedürfnisse des Erkrankten, fördert jedoch kaum Wertschätzung, Kontakte und die aktive Einbindung in den Alltag und das Leben. Die Pflegebedürftigen verkümmern, ein Fortschritt oder Verbesserung der Situation tritt nicht ein. Viele sind sich jedoch nicht dessen bewusst, dass dieser Zustand durch die Pflege und nicht die Demenz verursacht wird.

  • Fehler 2: „Er/ sie braucht einen festen Tagesablauf.“

Die Meinung, demenzkranke Menschen am besten über die Organisation eines festen Tagesablaufes „steuern“ zu könne, rückt die Krankheit in den Fokus. Der Mensch mit seiner Individualität, Gefühlsschwankungen, Bedürfnissen und Wünschen bleibt dabei nicht selten außen vor.
Folge: In einigen Fällen helfen feste Abläufe den Pflegebedürftigen. In anderen Fällen wiederum zeigt sich, dass ein solcher „Starrsinn“ ermüdet und sogar zum Gefühl der Entmündigung führen kann. Die Gründe dafür liegen oftmals in Unsicherheit und Angst vor Überforderung bei unvorhersehbaren Situationen ohne festes Handlungsmuster. Die Lösung bildet eine Pflege, die sowohl feste Strukturen – jedoch auch einen freiheitlichen Rahmen vorgibt. Der Pfleger oder die Pflegende können so mit festen Abläufen einen Handlungsspielraum festlegen, dem Tagesablauf eine Richtung geben, dennoch Luft und Zeit für die individuellen Bedürfnisse des Pflegebedürftigen schaffen – und darauf eingehen.

  • Fehler 3: „Entscheidungen nehme ich ihr/ ihm lieber ab.“

Pfleger und Pflegerinnen, die bereits demenzerkrankte Menschen betreut und begleitet haben, wissen über den Drang des Pflegebedürftigen eigene Entscheidungen zu treffen. Ob das Gehen eigener Wege, das Führen von Dialogen oder das Greifen von Gegenständen: Ein Handeln und Bedürfnis, dass für den Menschen hinter der Krankheit steht.

Folge: Pfleger und Pflegerin begleitet die Angst und Befürchtung, dass der Demenzerkrankte auf Grund seiner kognitiven Einschränkungen falsche Entscheidungen trifft. Um dies zu verhindern und den Pflegebedürftigen zu schützen, werden eigenständige Entscheidungen oftmals unterbunden. Häufig werden Entscheidungen daher im Sinne der Pflegekraft gefällt. Der pflegebedürftige Mensch fühlt sich nicht ernst genommen – und in seiner Entscheidungsbefugnis stark eingeschränkt.

Beispiel: Frau Mayer hat in ihrer Frühstücksgruppe üppig gefrühstückt. Die Damen aus der Runde sitzen lang und greifen immer wieder zu Obsthäppchen. Aufgrund Ihrer Hörschwäche jedoch kann Frau Mayer den Gesprächen nur bedingt folgen und entscheidet sich gegen Mittag zu gehen. Eine Betreuerin jedoch fasst diese Entscheidung als falsch auf – und denkt, Frau Mayer habe das Mittagessen vergessen. Da bis zum Abendbrot noch einige Zeit vergeht, bewegt sie Frau Mayer zum Mittagessen. „Sie brauche eine warme Mahlzeit.“ Frau Mayer jedoch hat weder Hunger noch Appetit und sitzt vor dem vollen Teller …

zugehöriger Buchtipp: Jutta König • Claudia Zemlin / “100 Fehler im Umgang mit Menschen und Demenz” / “Pflegeleicht”


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